Richtig oder Falsch

ein rundes ying und yang Zeichen, das ineinander fließt mit azurblauer Farbe auf der einen Seite und hellbeige auf der anderen Seite

Das darfst Du nicht

Von klein auf wurde mir der Mund verboten. Ich durfte nie sagen, was ich will, was ich mir wünsche, erträume. Mir wurde immer gesagt: Du hast gar nichts zu wollen. Tue das nicht! Lass das! Untersteh Dich! Sei ruhig! Reiß Dich zusammen!

Ich habe also gelernt, was ich nicht darf. Was ich nicht soll und sein lassen soll.

Meine Wünsche, Träume, Sehnsüchte lebte ich dann in meiner Fantasie aus. Ich las viel und erträumte mir eine Welt, in der sich meine Wünsche erfüllten.

Doch in der Realität traute ich mich das nicht.

Egal, was ich tat, ob ich eine bestimmte Schule besuchen wollte, einen bestimmten Berufswunsch hatte, es mich nach Abenteuern sehnte oder ich einen bestimmten Mann begehrte – ich traute mich nie, danach zu fragen oder es zu äußern. Das Erleben, wenn ich es tat, war immer negativ behaftet. Also tat ich es erst gar nicht, aus Angst, dass ich wieder nur Ablehnung erfuhr.

Die Angst machte mein reales Leben zu einem Ort der Niedergeschlagenheit und der Hoffnungslosigkeit. Wenn ich mir etwas zutraute, dann in einer geschützten Umgebung, z.B. in dem ich als Kind in der wohnortnahen und bewaldeten Umgebung herumstromerte. Mich damit meiner Fantasie hingab. Hier war ich sicher. Dort durfte ich sein, wie ich sein wollte. Wo es keine Einschränkungen gab.

Einen Ort, an dem ich eine Heldin war.

Doch das war nur der erste Teil meines Lebens.

Der Prolog, wenn man es möchte. Ein möglicher Ausgangspunkt.

Doch Steine lassen sich bearbeiten. Sie sind hart und oft unnachgiebig. Und wenn sie Dir auf den Fuß fallen, tut das verdammt weh.

Wirklich ausprobiert habe ich wenig. Und mir kam auch einmal der Gedanke, dass ich besser aufgebe.

Es passierte, dass ich überwiegend den Menschen vertraute, die dieses Vertrauen gar nicht verdient haben. Die mich danach nur noch schlechter behandelten oder ausnutzten, zu ihrem eigenen Vorteil.

Doch in mir war ein Mensch versteckt, der im Grunde nie ans Aufgeben dachte.

Auch wenn es diesen einen Moment gab, gab es auch einen anderen Teil in mir, der das nicht tolerierte.

War es Hoffnung? Stiller Glaube?

Oder einfach eine Sehnsucht, die ich von klein auf in mir trug?

Wenn ich aufgab, dann würde ich niemals erleben, ob das Leben nicht doch irgendetwas bereit hält.

Etwas, was ich mir bisher nur in meiner Fantasie ausgemalt hatte, mir erträumt hatte. Diese stille Hoffnung, die im Grunde Jede*r in uns trägt.

Etwas, von dem ich nicht einmal etwas ahnte, wie einzigartig und wundervoll es sein könnte.

Also änderte ich mein Leben. Ich änderte meine Einstellung. Nicht von allein und nicht sofort auf gleich.

Mithilfe vieler Menschen.

Therapeutische Hilfe, Seelenhilfe, freundschaftliche Hilfe, Eigene Hilfe …

Ich ging hinaus und teilte den Menschen mit, dass ich auch Bedürfnisse habe. Dass ich mir Dinge wünsche.

Die Änderungen waren klein, so klein, dass ich sie oft gar nicht spürte.

Und das Alte, dieses Gefühl, die positiven Dinge stünden mir immer noch nicht zu, war allgegenwärtig.

Es bestimmte auch weiterhin mein Leben und es quälte mich. Tief in mir hinterließ es weiterhin Spuren. Es zeigte sich in schwachen Momenten und erinnerte mich daran, wie wohltuend und bequem es angeblich sei.

Und es zwang mich, wieder alten Mustern zu folgen und mich selbst wieder leiden zu lassen.

Doch wenn das Glück Einzug hielt und mich von innen strahlen ließ, dann hatte ich ein schlechtes Gewissen.

In einigen Augenblicken jedoch ging es mir besser, richtig gut. Ich fühlte mich stärker. Durch monatelange Achtsamkeitsübungen verbesserte ich meine Wahrnehmung. Und ich sah das Glück. Es war greifbar. Ich hatte kleine Glücksmomente, einzigartige Erlebnisse. Damit ging es mir wieder besser. Oder doch nicht?

Ich fühlte mich schlecht deswegen, als wenn ich mich selbst verraten würde, weil ich glücklich war und Andere nicht. Weil Andere mich darum beneideten oder mich verurteilten.

Also ließ ich das wieder mit dem Glück. Und badete lieber wieder in Ablehnung. In der vermeintlichen Sicherheit. Doch es ging mir damit nicht gut.

Zufrieden waren alle um mich herum. Sie suchten ihr Lebensglück und fanden es auf die ein oder andere Art. Und ließen mich auf schmerzvolle Art daran teilhaben.

Ich verstand immer noch nicht, dass ich gar nicht die Anderen ablehnte oder sie mich. Denn ich lehnte mich selbst ab. Ich konnte mich einfach nicht annehmen wie ich war. Es war immer noch dieses Gefühl, wenn ich es tat, dann werde ich dafür bestraft. Ich verstand nur noch nicht weshalb.

Es hat viele, viele Jahre gedauert bis mir klar wurde, dass ich immer noch den falschen Menschen vertraute.

Diese Unterscheidung treffen zu können, diese erst einmal wahrzunehmen und darauf hinzuwirken, das ist ein langer Weg.

Darf ich langfristig die guten Erfahrungen wertschätzen und als wahres, tiefes, inneres Glück begreifen? Wie könnte ich die schlechten Erfahrungen nicht als die Wahrheit erfassen, sondern als Lerneffekt und inneres Wachstum?

Am Anfang steht immer der Selbstschutz. Es steht das Vertrauen in sich selbst. Dieses Vertrauen ist gerechtfertigt und es ist das Einzige, worauf ich am Ende wirklich hören sollte.

Im Grunde weiß ich, was mir guttut und ich weiß, was mich schmerzt.

Ich beginne damit mich zu rechtfertigen, zu erklären, doch mich hört Niemand. Niemand nimmt Notiz davon, dass auch ich eine Stimme habe, die mehr als gerechtfertigt ist und respektiert werden sollte.

Und dann meldete sich mein Bauchgefühl und signalisiert mir: hier stimmt etwas nicht!

Wenn ich mich belohnt fühle, obwohl ich eigentlich bestraft werde, dann ist das einfach FALSCH. Wenn ich mich belohnt fühle und es auch eine Belohnung ist, dann ist es RICHTIG.

In den letzten Jahren habe ich mir immer mehr Wünsche erfüllt.

Ich habe Dinge ausprobiert, bin viel gereist, habe viel allein unternommen und neue Wege bestritten.

Mich herausgewagt aus meiner Komfortzone. Das war nicht immer leicht.

Es gab genug Rückschläge, vor allem, weil es genug Menschen da draußen gibt, die nicht besonders nett sind.

Weil es Menschen gibt, die zwar auch an ihrem Seelenwohl und Selbstschutz interessiert sind, aber leider nicht daran, dass sie mit ihrem Verhalten andere Menschen verletzen könnten und es auch tun.

Besondere Vorsicht ist dabei geboten, wie ihre Reaktionen ausfallen, wenn sie auf eine solche Verletzung angesprochen werden. Und ganz besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Schuld umgekehrt wird, und die Scham wieder auf der eigenen Seite steht.

Dann ist etwas faul und stinkt zum Himmel!

Ich bin innerlich gewachsen und dafür sollte ich mich auch solchen Situationen stellen, die mein Wachstum sichtbar machen. Und das tut oft noch mehr weh, als diese alten Verletzungen, die mich gelehrt haben, nichts wollen zu dürfen.

Es lohnt sich aber. Es lohnt sich durch diesen Schmerz hindurch zu gehen. Nicht daran vorbei oder mit einem großen Bogen darum herum.

Nein. Durch diesen Schmerz hindurch.

Jedes Mal wieder habe ich das getan. Und es tat verdammt weh!

Ich habe mich entwickelt, bin noch mutiger geworden, couragierter. Ich bin offener geworden, in dem ich mehr Facetten von mir zeige, aber gleichzeitig mehr Grenzen setze. Das ist auch mutig. Es ist jedoch vor allem emotionale Reife.

Und je mehr ich innerlich wachse, desto mehr Situationen tauchen auf, die meine Fähigkeiten herausfordern, meine alten Muster sichtbar machen, meine Grenzen testen und meine Stärke zeigen.

Diese Situationen spiegeln den inneren Fortschritt. Damit prüfe ich mich selbst. Doch damit gebe ich mir auch etwas zurück, von dem ich  am Anfang nie dachte, dass es noch viel besser sein kann als vorgestellt: die Erfahrungen, dass sich all meine Wünsche, Träume und Hoffnungen erfüllen können.

Ich darf alles wollen. Ich darf alles ausprobieren. Ich darf mich entwickeln.

Ich brauche mich nicht aufhalten lassen. Und ich darf mich zeigen, wie ich wirklich bin. Denn ich bin.

Entweder die Menschen versuchen mich zu verändern, mich zu beeinflussen oder mich zu verletzen. Dann ist es FALSCH.

Oder die Menschen akzeptieren und nehmen mich so an wie ich bin, sind emotional bei mir und freuen sich für mich, mit mir und wir miteinander. Dann ist es RICHTIG.

Alles Gute für Dich!

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